Samstag, 16. November 2013

Die Horny Betty der Brauerei Gusswerk

Bei der Horny Betty aus dem Brauhaus Gusswerk in Hof bei Salzburg handelt es sich um ein dunkles Starkbier, das durch "dreifache Maische" und "doppelte Gärung" sowie der besonderen Zutat Epimedium grandiflorum alias Geiles Ziegenkraut ein "leidenschaftliches Feuer" entfachen soll. In der traditionellen chinesischen Medizin spielt dieses Kraut laut Etikett eine wichtige Rolle. Ihm wird, wen wundert es, eine potenzsteigernde Wirkung nachgesagt. Das Gewächs spielt also bei Namensgebung und Design die Hauptrolle. Umso gespannter bin ich auf die Verknusperung.


Ein tiefes Schwarzkirsch-Dunkelrot trifft auf grobporigen, bräunlichen Schaum, dessen Blasen relativ schnell zerplatzen. Übrig bleibt dann eine feinporige, kleine Schaumkrone. Der Nase werden malzige sowie süßlich brotige Aromen, aber auch Düfte nach reifem Obst geboten. Im Hintergrund schwirrt ein Hauch von Kräutern und etwas blumiges, das von besagtem Kraut kommen könnte. Bisher ist das Bier jedoch nicht so richtig greifbar, da es erst einmal wie ein gewöhnliches Dunkles riecht.


Der Antrunk verläuft brotig, nicht zu süßlich und würzig mit moussierendem Mundgefühl, leicht ölig und mit angenehm zurückhaltender Kohlensäure. Dann entfalten sich milde Kräuteraromen, die mich an Mamas Weihnachtslikör (oder einfach gesagt Jägermeister) erinnern. Lebkuchen, Nelke und Sternanis erzeugen zusammen mit dem starken Alkoholgehalt ein wohliges Bauchgefühl. Die Röstaromen halten sich im Hintergrund und lassen so dem geilen Kraut den Vortritt, da es sonst wohl auch nicht zur Geltung kommen würde. Ein komplett neues, bezeichnendes Geschmackserlebnis ist das nicht. Der Abgang ist trocken und knackig, ein leichter Pelz bildet sich auf der Zunge. Das Schlusslicht bildet der Hopfen und hinterlässt eine mittelmäßig herbe Bitternote. Ich bin positiv überrascht von der Ausgewogenheit dieses süffigen, weichen Starkbieres. Durch die sanfte Rezenz und einen extrem milden Charakter wirkt es nicht zu scharf für seine stolzen 9,2%. Dass ich nach der Horny Betty aber immer noch nicht schlauer bezüglich des eigentlichen Geschmacks von geilem Ziegenkraut bin, finde ich eher semi-geil. Da hatte ich bei der Aufmachung einfach etwas mehr erwartet.

Harte Schale, weicher Kern. Knusperfaktor 6/10 - Prost!


Fakten: 9,2% vol., Stammwürze: 19,9°P, IBU: Keine Angabe

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Geiles Ziegenkraut (Epimedium grandiflorum), Hopfen, Hefe

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