Dienstag, 7. Januar 2014

Das Braustübl 'Craft No.166' IPA der Darmstädter Privatbrauerei

Die erste Verknusperung in diesem Jahr steht an, und zwar teste ich heute ein IPA aus der Braustübl-Reihe der Darmstädter Privatbrauerei. Die Braustübl-Sorten von Pilsner über Hell bis zum Vollmondbier gibt es normalerweise nur in der Bügelflasche. Bei dieser Sorte hat man sich für den Kronkorken entschieden. Die Namensgebung des Craft No. 166 wird auf der Rückseite des Etiketts erklärt und lautet wie folgt: 
"Aus der Erfahrung von mittlerweile 166 Jahren und der unbedingten Leidenschaft unserer Braumeister für handwerklich gebrautes Bier, entstand die Idee für diese außergewöhnliche Spezialität: ein kupfern leuchtendes India Pale Ale, das durch die Beigabe von Mandarina Bavaria Hopfen im Kalthopfungsverfahren, zu einem intensiven Geschmackserlebnis mit fein-fruchtigem Zitrusaroma reift!"
Große Töne werden also gespuckt und man versucht mit prägnanten Schlagworten wie Handwerk und Geschmackserlebnis sowie einem stattlichen Preis von 2,39€ pro 0,33l Flasche auf der deutschen Craft-Bier Welle mitzusurfen. Die Marketing-Abteilung hat sich natürlich auch mächtig ins Zeug gelegt und ein flottes Etikett mit der Aufschrift 'India Pale Ale Style' gezaubert. Das erinnert mich irgendwie an Wortkreationen wie 'Wiener Schnitzel Art'. Aber das ist ja wieder etwas anderes. Lassen wir den Inhalt der Flasche sprechen und hoffen, dass sich all der Aufwand gelohnt hat.


Im Glas liegt eine kupfern bis bernsteinfarbene Flüssigkeit, deren weißlich bis hellbrauner, eher grobporiger Schaum sich nicht so wirklich zu einer Krone erheben will. Das Bier ist leicht trüb, aber eben nur sehr leicht. Auf mich macht es einen doch etwas blank-filtrierten Eindruck. Das Foto täuscht da etwas, da das kühle Bier für Kondenswasser am Glas sorgte und so trüber erscheint. Geruchlich ist wahrlich nicht viel zu vernehmen. Ich erkenne Aromen, die mich eher an ein Pils erinnern. Grasig-frisch bis floral. Ansonsten keine Spur von Zitrus. Es gibt IPAs, da fall ich schon beim Geruch vom Stuhl. Hier muss ich mich tatsächlich anstrengen, um überhaupt irgendetwas zu erriechen. Mal sehen ob geschmacklich noch was kommt.


Nunja. Ich würde sagen, dass auch der Geschmack an Täuschung grenzt. Der Antrunk ist leicht und schlank. Es ist nicht so, dass das Bier wässrig ist, aber es fehlt hier einfach an Inhalt. Über die durchaus vorhandene Herbe sowie eine angenehm prickelnde Rezenz kann man nicht meckern, jedoch steht die Herbe in keinem Verhältnis zum Körper des Bieres, der einfach zu wenig Volumen hat. Hier fehlt auch das beliebte moussierende Mundgefühl und eine gewisse Viskosität oder Öligkeit, welche als Geschmacksträger ein IPA zu einem intensiven Geschmackserlebnis werden lässt. Tja und der Mandarina Bavaria Hopfen. Ich suchte ihn vergebens. Erst im Nachtrunk macht er Anstände sich zu zeigen und hinterlässt bei mir eher aprikosige Geschmackseindrücke, die aber immerhin in die richtige fruchtige Richtung gehen. Dabei handelt es sich aber eher um ein Aufblitzen des Aromahopfens, denn schnell verfliegt die Aprikose und verabschiedet sich wieder. Das klingt alles extrem negativ, aber ich finde bei einem solchen Preis und den oben zitierten großen Tönen kann man sich diese Kritik durchaus auch mal erlauben. Ich kaufe wirklich sehr gerne und sehr oft Craft-Bier in dieser Preisklasse, weil ich dafür auch aufgrund eines wahren Geschmackserlebnisses ein super Preis-Leistungs-Verhältnis bekomme. Hier fühle ich mich ein kleines bisschen veräppelt. 

In meinem Einkaufskorb wird das Braustübl Craft No. 166 nicht mehr landen. Knusperfaktor 3/10 - Prost!


Fakten: 6,7% vol., Stammwürze: 16,6°P, IBU: 57

Zutaten: Wasser, Malz, Hopfen, Hefe


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