Freitag, 7. Februar 2014

Das "Belle Lambic" vom Gasthaus LoewenThor

Schon im letzten Jahr hatte ich das Vergnügen mit einer der Bierspezialitäten aus dem Gasthaus LoewenThor in Gondelsheim bei Karlsruhe. Das Brunette double konnte durch wohlige Lakritz-Aromen punkten und schnitt dabei mit 7/10 Knusperfaktoren ziemlich gut ab. Nun widme ich mich (zum ersten Mal überhaupt in diesem Blog) einem Lambic Bier - dem Belle Lambic. Für die, die es nicht wissen ein kleiner Exkurs in die leckere Welt der Biersorten: 

Lambic Biere haben ihren Ursprung in Belgien und zeichnen sich im Wesentlichen dadurch aus, dass für die Gärung anders als bei den meisten anderen Sorten zunächst keine Reinzuchthefe zugesetzt wird. Vielmehr gilt hier das Prinzip der Spontangärung. Das bedeutet, dass ein Lambic offen gelagert wird, und die in der Luft schwebenden "wilden Hefen" für die Gärung sorgen. Eine wesentlich ungezieltere Variante der Bierherstellung, aber dafür umso spannender. Geschmacklich bildet ein Lambic Bier in der Regel fruchtig-saure Aromen aus, bleibt dabei aber meist ziemlich trocken. Gerne werden auch Früchte mitvergoren, sodass ein großer Spielraum für Geschmackskreationen bleibt.

Bei diesem Exemplar stehen allerdings keine Früchte auf der Liste, auch wenn das Etikett bildlich etwas anderes vermuten lässt. Lediglich Brauwasser, Malz, Zucker, Hopfen und die bereits erwähnte rebellische Hefe treiben hier ihr Unwesen. Dann wollen wir doch mal schauen.


Das Bier fließt erst einmal sanft ins Glas und verhält sich dabei relativ unauffällig. Es bildet sich grobporiger Schaum, welcher zusammen mit einem trüben rot-orange und dem Geruch von vergorenen Herbstfrüchten ziemlich an Apfelwein erinnert. Ich weiß, eben habe ich erwähnt, dass keine Früchte auf der Liste stehen, aber es riecht wirklich sehr nach Apfelwein. Dass der Schaum dann doch recht schnell verschwindet liegt wahrscheinlich am niedrigen Kohlensäuregehalt, was ebenfalls typisch Lambic wäre. Mal sehen, was der erste Schluck verrät.


Beim Antrunk meldet die Zungenspitze erstmal direkt den ersten sauren Eindruck an das Hirn. Doch im weiteren Verlauf bildet das Bier eine zusätzliche Fruchtigkeit aus, deren Aroma gepaart mit der Säure und dem Hefe Sammelsurium extrem an naturtrüben Apfelwein erinnert. Die durch die Spontangärung geringe Bildung an Kohlensäure macht sich zwar bemerkbar, bleibt aber in einem prickelnden Rahmen. Der geringe Alkoholgehalt von 4,5% Vol. hält sich geschmacklich zurück und unterstützt die Spritzigkeit. Im Abgang bleibt das Bier angenehm trocken und hinterlässt noch einmal einen sauren Eindruck am Gaumen.

Ich bin hin- und hergerissen. Einerseits fasziniert mich der Herstellungsprozess dieser Biersorte sehr, andererseits bin ich kein absoluter Fan des typischen Geschmacks. Wer allerdings gerne mal zur ähnlich sauren Berliner Weisse greift, oder auf echten hessischen Ebbelwoi steht, der sollte unbedingt ein Lambic probieren. 6/10 Knusperfakoren - Prost!


Fakten: 4,5% vol., Stammwürze/IBU: Keine Angabe

Zutaten: Wasser, Malz, Zucker, Hopfen, Hefe


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