Dienstag, 4. März 2014

Pechschwarzes Pivo aus Prag: Das Russian Imperial Stout der Brauerei Břevnovský Benedict

Heute verknuspere ich ein Russian Imperial Stout, also ein sehr dunkles Bier für dessen Herstellung ein erheblicher Anteil an Röstmalzen verwendet wird. Der obergärige Bierstil hat seinen Ursprung in England, wo er im 18. Jahrhundert für den Hof der russischen Zarin Katharina der Großen gebraut wurde. Lange Zeit in Vergessenheit geraten, entdeckten zunächst viele Mikrobrauereien der USA das Russian Imperial Stout für sich wieder. Heute erfährt es einen regelrechten Boom, denn auch in Deutschland finden immer mehr Brauereien Gefallen an Kaffee- und Schokoladennoten bei einem relativ starken Alkoholgehalt von 8 bis 10 Prozent. Der heutige Testkandidat ist allerdings ein Mitbringsel aus Tschechien und kommt aus der Klosterbrauerei Břevnovský Benedict in Prag, welche neben Weizen, IPA und Bock auch ein RIS am Start hat. Ich bin sehr gespannt und öffne die kleine Maurerhülse mit Plopp-Verschluss.


Mein erster Eindruck: So ein pechschwarzes Bier habe ich noch nie gesehen. Wow. Es schenkt sich ein wie ein verdammt starker Kaffee, gemischt mit etwas Altöl. Das erweckt durchaus einen zähflüssigen Eindruck, einzig der farblich in Richtung Vollmilchschokolade tendierende Schaum erinnert mich wieder daran, dass es sich hierbei um Bier handelt. Als wollte es etwas verheimlichen, fällt die grobporige Krone ziemlich schnell zusammen und hinterlässt ein schwarzes, undurchschaubares Loch. Von der Optik bin ich sehr angetan, vom Geruch hingegen ist nicht sonderlich viel zu vernehmen. Leichte Säure zusammen mit einem Hauch von Röstmalz. Da geht geschmacklich sicher mehr.


Im Antrunk sehr viel Säure und eine etwas zu schlapp prickelnde Rezenz, dazu macht das Malz einen trockenen Eindruck. Direkt im Anschluss wissen die Geschmacksknospen eigentlich schon gar nicht mehr, welche Signale sie als erstes ans Gehirn senden sollen - sauer oder bitterherb. Beides kommt jedenfalls mit einer immensen Wucht an. Vielleicht kennt der ein oder andere das Hausmittel gegen Kopfschmerzen, einen doppelten Espresso mit Zitronensaft zu trinken. In etwa genau so schmeckt dieses Stout, viel Zitrone in viel zu starkem Espresso. Die Kombination harmoniert in diesem Fall einfach nicht, etwas mehr Süße hätte hier vielleicht als Puffer entgegenwirken können. Zuletzt hallt geschmacklich außer dieser extremen Tendenz auch nicht mehr viel nach, es bleibt bittersauer am Gaumen. Vielleicht bin ich auch einfach zu schwach für dieses Bier, aber mir ist das zu stark in eine Richtung. Hoffentlich gefällt mir das nächste RIS besser, denn den Stil an sich finde ich sehr spannend!

Das Russian Imperial Stout der Brauerei Břevnovský Benedict bekommt für sein extrem ausuferndes Aroma daher leider nur 4/10 Knusperfaktoren - Prost!


Fakten: 8,5% vol., Stammwürze: 21°P, Bittereinheiten: Keine Angabe

Zutaten: Wasser, Röstmalz, Zucker, Hopfen, Hefe

Netz: http://brevnovskypivovar.cz

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