Montag, 14. April 2014

Doppeltest: Das SHIPA 'Hüll Melon' der Kehrwieder Kreativbrauerei in zweierlei Gläsern

Liebe Bierfreunde! Heute vereine ich zwei Tests in einem Post. Zunächst wird wie gewohnt ein Bier verknuspert. Danach vergleiche ich das Spiegelau IPA Glas mit dem Teku Pokal. Doch alles der Reihe nach.

Das heutige Testbier stammt von keinem anderen als Biersommelier Weltmeister des Jahres 2013 Oliver Wesseloh, der zusammen mit Braumeister Friedrich Matthies (Spitzname Fiete) seit 2011 die Kehrwieder Kreativbrauerei betreibt und als Wanderbrauerei schon einige leckere Zaubereien kreierte. Neben Prototyp und Feuchter Traum wurde auch die SHIPA (Single Hop India Pale Ale)-Serie geschaffen, bei der eine ausgewählte Hopfensorte für den Charakter des Ales stehen soll. So wird ein SHIPA immer unter den gleichen Rahmenbedingungen mit Wiener Malz eingebraut, lediglich der Hopfen ändert sich. Seit einiger Zeit gibt es nun Nummer vier der Serie, mit der geheimnisvollen Hopfensorte 'Hüll Melon', welche dem Bier eine einzigartige Honigmelonen- sowie Erdbeernote verleihen soll. Ich bin gespannt.


Orange-gelb liegt es im Glas und bietet dem Auge zusammen mit weiß-gelblichem sowie standhaften Schaum einen erquickenden ersten Eindruck. Die Nase vernimmt gleich zu Beginn einen etwas 'sprittigen" Geruch, der sich aber auf den zweiten Riecher sofort verflüchtigt und in die bereits angekündigte Erdbeernote, zusammen mit etwas Banane und Melone umwandelt. Wirklich verrückt, das hatte ich bei einem IPA bisher tatsächlich noch nicht. Irgendetwas süßliches schwirrt da auch zusätzlich noch im Hintergrund, was mich an den Duft von Ü-Ei Schokolade erinnert. Abgefahren. Vom farbgebenden Wiener Malz weht schließlich noch eine getreidige Note in der Luft.


Zu Beginn ist das IPA mit seinen 65 IBU sehr straight und trocken. Es bietet einen zurückhaltenden Malzkörper, der sich nicht durch unnötige Süße in den Vordergrund drängt und auf diese Weise dem Hopfen freien Lauf lässt. Dieser kann sich zur Mitte hin voll entfalten und beweist dadurch, dass eine einzige Sorte ausreicht um ein Geschmacksspiel freizusetzen, das wunderbare Herbe mit markanter Fruchtigkeit vereint. Die Sprache des Hüll Melon ist deutlich zu erkennen, wobei ich aufgrund des ganzen Erdbeer-Hypes sogar noch etwas mehr Intensität erwartet hatte. Dennoch ist das eine ganz eigene Richtung, die beerig-melonige Akzente setzt und wirklich Spaß macht. Im Abgang machen sich dann die 7,5% bemerkbar und sorgen für einen vollmundig, öligen Nachtrunk der nochmal stark von der Bitternote des Hopfens dominiert wird.

Ein tolles IPA mit spannendem Aromaspiel. Knusperfaktor 8/10 - Prost!



Fakten: 7,5% vol., Stammwürze: 16,8°P; Bittereinheiten: 65 IBU

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz (Wiener Malz), Hopfen (Hüll Melon), Hefe

Netz: http://www.kreativbrauerei.de/https://www.facebook.com/Kreativbrauerei


...und nun zum zweiten Test: Wie ich bereits eingangs erwähnt habe, wurde das SHIPA in zwei verschiedenen Gläsern verkostet. Anlass dafür ist der Trend eines neuen IPA Glases, welches in Zusammenarbeit mit den US-amerikanischen Brauereien Sierra Nevada und Dogfish head von der deutschen Kristallglasfabrik Spiegelau produziert wird. Mittlerweile gibt es auch ein Stout Glas, das ich jedoch bis jetzt noch nicht besitze. Das IPA Glas fällt durch seine eigenartige, ich nenne es mal vasenartige Form, auf und soll durch diese die besten Voraussetzungen für eine sensorische Verkostung bieten. Doch was bedeutet Sensorik überhaupt? Sensorik ist der Sammelbegriff für alle Sinneswahrnehmungsvorgänge bei Lebewesen. Beim Bier dürfte dabei also der Geruchs- und Geschmackssinn, aber auch der Tastsinn während des Trinkens sowie der visuellen Wahrnehmung, also die Optik, eine Rolle spielen. Jeder, der schon mal eine Cola aus einer eiskalten Dose getrunken hat, weiß, dass es da einen gewaltigen Unterschied zur 1,5 Liter Plastikflasche gibt, obwohl es sich beim Inhalt um die gleiche Flüssigkeit handelt. 

Zurück zu den Gläsern. Welches ist denn nun besser? IPA- oder Teku-Glas? Fakt ist, dass es sich per se bei beiden um Gläser handelt, die mit Fokus auf die Sensorik entwickelt worden sind. Aus dem Teku 'dürfen' allerdings auch andere Sorten als IPA verkostet werden.

Mein Fazit:

Das Teku hat meiner Meinung nach einen ganz großen Vorteil. Und zwar finde ich es wichtig, das Bier im Glas schwenken zu können. Einfach um mir einen visuellen Eindruck über die Textur des Bieres zu verschaffen und im Anschluss die Nase ins Glas zu halten - eine Angewohnheit, die ich nicht missen möchte. Leider funktioniert das absolut gar nicht mehr, wenn sich das Bier im IPA Glas nur noch im unteren, schmalen Teil des Glases befindet, während man sein Gebräu im Teku bis zum letzten Schluck schwenken kann. Klarer Pluspunkt für das Teku. Ansonsten macht das Spiegelau Glas einen sehr leichten und zerbrechlichen Eindruck. Ich habe bereits mehrfach gelesen, wie der gemeine Verkoster sein IPA Glas im Eifer des Gefechts zertrümmert hat - das ist mir bisher zum Glück aber noch nicht passiert.

Auch die Farbe wird, vor allem im unteren Teil des IPA Glases etwas blasser, was aber wiederum gerade bei sehr trüben Ales einen kleinen Vorteil bei der gesamten visuellen Wahrnehmung bedeutet. Hier bietet das Teku nicht ganz soviel Variation in der Form und unterliegt bei der Optik leicht dem Spiegelau.

Beim Geruch- und Geschmackssinn jedoch konnte ich keinen Unterschied feststellen. Beide Gläser setzen die Aromen frei und bieten der Nase und dem Mund ein angenehmes Trinkgefühl. Die fruchtigen Noten, sowie die Malzaromen ließen sich sowohl bei Teku, als auch bei IPA Glas gleichwertig wahrnehmen.

Insgesamt ergibt das ein Unentschieden und wird schlicht und einfach zur Geschmackssache. Ich finde jeder sollte sich ein eigenes Bild verschaffen. Vielleicht gibt der ein oder andere ja sein ganz eigenes Feedback, welches er mir gerne unter dem Post mitteilen kann. Bei mir wird schlicht die Laune entscheiden, aus welchem Glas ich mein nächstes Ale trinke.

Das IPA Glas sieht schön aus und ist 'nice to have'. Sensorisch kann ich jedoch keine grundlegenden Unterschiede zum Teku Glas feststellen. Wer das Spiegelau bestellen möchte, kann dies bei Bier-Deluxe tun.

Prost!

Im Test: Spiegelau IPA Glas vs. Teku Pokal

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen