Montag, 15. September 2014

Düsseldorf Calling: Die Rhabarber Weisse von Onkel Bier

Wenn ich an Rhabarber denke, dann stehe ich immer als Kind im Garten meiner Eltern und beiße in einen frisch gepflückten Blattstiel des Knöterichgewächses, woraufhin ich angeekelt das Gesicht verziehe und den Krempel wieder ausspucke, weil mir das einfach zu sauer war. Mein Vater sagte dann so etwas in der Art wie "Was hast du denn? Schmeckt doch gut!". Aber damals war mir das einfach eine Nummer zu krass. Es gibt ja diese Dinge, die einem früher nicht geschmeckt haben, für die man jedoch später einen gewissen Geschmack entwickelt. Seit dem Erlebnis im Garten habe ich Rhabarber nur noch als Kompott oder in Kuchenform angefasst. Ähnlich verhielt es sich dann später bei mir mit Berliner Weisse, war mir doch das obergärige Schankbier einfach zu unausgewogen sauer. Grund für den hohen Säureanteil bei einer Weisse ist die im Anschluss an die Hefegärung zweite Gärung durch Milchsäurebakterien wie zum Beispiel Lactobacillus brevis. Hierbei entsteht Milchsäure, welche der Berliner Weisse ihren typisch sauren Geschmack verleiht. Viele "Biergenießer" mögen das jedoch nicht und schütten sich süßen Sirup in ihr Getränk, um es wiederum für sie genießbar zu machen. Verwirrend und absurd zugleich, wie ich finde. Entweder eine Weisse schmeckt pur - oder eben nicht. Und gerade weil ich weder Rhabarber noch Berliner Weisse Fan bin, wage ich mich nun an Onkel Herberts Rhabarber Weisse von Onkel Bier in Düsseldorf. Ganz nach dem Motto Gebraut nach dem deutschen Freiheitsgebot geben sich die beiden Onkels Albert und Herbert bewusst transparent in Bezug auf die Zutaten und haben keine Heimlichkeiten bei ihren beiden Biersorten. So kann man schließlich auch dem Etikett der Rhabarber Weisse entnehmen, dass diese 3% konzentriertes Rhabarberpüree enthält. Der große Unterschied zu dem sonst übermäßig beigemischten Sirup im Glas: Hier wird die Frucht nicht dem Fertiggetränk beigemischt, sondern direkt während des Gärprozesses in den Tank gegeben. So kann sich eine Symbiose aus Bier und Rhabarber entwickeln. Genug Vorgeplänkel. Jetzt will ich wissen, ob diese Kombi tatsächlich so schlimm für mich wird...


Notizen

  • Schaum: stabil, strahlend weiß, feinporig, cremig
  • Farbe: milchig-zitroniges weißgelb
  • Klarheit: gleichmäßig trüb
  • Geruch: sauer, feine Weizennote, Buttermilch, grünes Obst


Knusperfazit

Im Antrunk tänzelt Kohlensäure auf der Zungenspitze, während die Flüssigkeit den Rest des Mundraumes mit einem fruchtig-säuerlichen Obstallerlei bearbeitet. Erster Eindruck: "Was hast du denn? Schmeckt doch gut!". Na also, ist doch gar nicht so schlimm! Im Gegenteil: Das macht sogar Spaß! Da ist es also wieder dieses Phänomen des Geschmack Entwickelns. Ich glaube jedoch, dass das nicht nur an meinen über die Jahre strapazierten und abgestumpften Geschmacksknospen liegt, sondern vielmehr der Verdienst der beiden Onkels ist, was die Weisse so unglaublich erfrischend macht. Wir haben zwar Spätsommer oder fast schon Herbst, aber das spielt ja keine Rolle. Nach dem Einstieg entwickelt das Bier eine feine Säure, die nach Buttermilch, Zitrone und natürlich auch Rhabarber schmeckt. Getragen wird dieses Bouquet auf den Schultern eines feinen, gehaltvollen Körpers aus Gersten- und Weizenmalz, was das Ganze angenehm abrundet. Es bleibt die Erkenntnis, dass man sich eben immer mal wieder an Dinge trauen soll, die man früher nicht angerührt hätte, weil es Leute gibt, die sie besonders gut machen! In diesem Fall die Jungs von Onkel Bier in Düsseldorf. Ihr habt mich zu einem Weisse-Genießer gemacht. Danke!

Leute packt euren pampigen Sirup ein und genießt diese Weisse pur! Nur so bekommt ihr ein lecker-spritziges Erlebnis mit kitzelnder Säure, perfekt für den Spätsommer. Ein Bier für den Moment eben.

Knusperfaktor 8/10 - Prost!


Beerfacts

Alkohol: 4,4% vol., Stammwürze/ Bittereinheiten: Keine Angabe

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, konzentriertes Rhababerpüree (3%), Milchsäure, Hefe, Hopfen

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