Samstag, 11. April 2015

Hop Theory: Teebeutel Tuning für langweiliges Bier - Geht das!?

Vor kurzem startete auf Kickstarter ein Projekt namens Hop Theory, bei dem es darum geht Bier, welches eher wenig Geschmack aufweist, innerhalb von Minuten ohne großen Aufwand zu pimpen und tadaa - hat man ein hopfenintensives, nach Früchten duftendes Gebräu vor sich stehen. Wie das funktionieren soll schaut ihr euch am besten in folgendem Video an:


Man bekommt also eine Art Teebeutel, der in der ersten Version (sollte das Projekt zustande kommen) mit Cascade-Hopfen, Orangenschalen, Koriandersamen sowie einigen weiteren "natural spices" (fragwürdige Wortkonstruktion) gefüllt ist. Den Beutel schmeißt man in sein Glas, welches man anschließend mit nichtssagender Plörre füllt. Nach ein paar Minuten hat man dann ein völlig anderes Bier vor sich stehen (so die Idee). Wenn dieses leer ist, kann man das "Beer Enhancing Sachet" dann wieder aus seinem Glas herausfischen (lecker!) und in sein neues Pint schmeißen, denn dieses Sachet soll bis zu vier Pints veredeln können, bevor es in die Tonne wandern muss. In diesem kurzen Video wird die Veränderung (farblich) präsentiert:


With & Without from Hop Theory on Vimeo.

Ob das funktioniert? Kann man ein Öttinger Pils etwa binnen Sekunden in ein knackiges, hopfengestopftes, trinkbares Bier verwandeln und selbst der super Head of Brewmasters werden? Coors Light als Hopgrenade? 5,0 Original aus der Dose ins Glas, Beutel rein und auf einmal geil? DAS neue Hipster-Gadget? Oder ist das alles Käse und das Bier-Tuning schlägt in etwa so fehl wie Tiefkühlpizzen, die "wie beim echten Italiener" schmecken sollen oder der klägliche Versuch eine minderwertige Bratwurst mit unermesslich scharfer Currysoße zu verfeinern? Wieso nicht einfach mal den völlig subjektiven und unprofessionellen Heimversuch starten? Das habe ich mir gedacht und folgenden Versuch gewagt: Man nehme Cascade-Pellets, getrocknete Orangenschalen und Koriandersamen (auf die ominösen "natural spices" habe ich jetzt mal verzichtet) und stopfe diese Zutaten in einen haushaltsüblichen Teebeutel. Es geht mir hier vorwiegend um den Spaß am Herumpanschen und einen ersten Eindruck, ob so etwas überhaupt funktionieren kann. Bei der Ausmischung habe ich versucht sehr großzügig zu dosieren (Leider gibt es keine Mengenangaben oder Infos zum Verhältnis der Zutaten auf der Projektseite):

10g zermörserte Pellets Cascade-Hopfen, 7g Koriandersamen, 10g getrocknete Orangenschalen alles zusammen in den Teebeutel geben.


Doch welches Bier eignet sich besonders gut für diesen Test? Na klar, Budweiser! Das Flaggschiff vom Braukonzern Giganten AB-InBev könnte sich besonders gut eignen, wurde dieses äußerst dünne Lager doch the hard way gebraut und ist ein Bier der Marke, die Biervielfalt verabscheut und hintenrum still und heimlich kleine Brauereien, welche ihr schon seit Jahren ein Dorn im Auge sind, aufkauft. Also ab in den Laden um die Ecke und schnell zwei Hülsen geholt, möglichst ohne dass es jemand sieht.


Zum Prozedere sowie Versuchsaufbau gibt es eigentlich nicht mehr viel zu sagen. Beutel rein, Dosen auf, Bier rein - Los geht's! Ich habe versucht das Timelapse-Video nachzustellen, während ich das Bier knapp 10 Minuten habe "ziehen" lassen. Der erste Eindruck ist ernüchternd. Fast kein Unterschied in der Farbe (Wer hätt's gedacht, die Farbe im Bier kommt nämlich hauptsächlich vom Malz, jaja!). Beim nächsten mal mach ich den Test direkt im Labor und messe am besten gleich mal die Farbeinheiten...

Hier das Zeitraffer Video:
Mit & Ohne from Knusper on Vimeo.

...und hier das Endresultat nach 10 Minuten als Bild:

Endresultat des Hop Theory Selbsttests. Links: Mit Sachet, Rechts: Ohne Sachet
Nun zum Geschmack: Ohne zu übertreiben fast kein Unterschied. Ein kleines bisschen schmeckt man die Orange raus, was den pappig-süßlichen, schwefligen Geschmack der Gegenprobe ein wenig übertüncht. Weder vom vorher noch so intensiv gut duftenden Hopfen noch von den Koriandersamen erschmecke ich irgendeine Spur. In der kurzen Zeit können bei Kühlschranktemperaturen eben nur wenig bis keine geschmacksgebenden Stoffe freigesetzt werden, so mein erster Eindruck. Und im Normalfall bekommt man Bier nun mal kalt serviert. Die Idee ist ja ganz witzig und ein bisschen muss ich auch lachen, wenn ich vor meinen Augen schon die ersten Beergeeks im Café sitzen sehe, wie sie aus ihrem Turnbeutel hektisch ein Sachet herausfedeln um ihr gelbes, langweiliges Bier in Gourmet-Gerstensaft zu verwandeln, während die anderen Kumpels schon längst angestoßen haben und fröhlich saufen. Ob das die großen Konzerne wohl gerne sehen würden? Wie dem auch sei, von mir bekommt das Projekt keinen Dollar. Da vertraue ich lieber den echten Braumeistern und kaufe gutes Bier für den Preis, den es verdient. Cheers - auf alle Braumeister dieser Erde!

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